MagicTales

Über den Sinn und Unsinn eines Konzeptbuchs

Braucht man in der heutigen Zeit noch ein analoges Konzeptbuch?

Eines erst einmal vorab, ich bin ein sehr stark visuell geprägter Mensch. Sowohl digital als auch analog.  Leider habe ich mich schon zu oft dabei erwischt, dass ich mir etwas gekauft habe, was mich optisch direkt angesprochen hatte, obwohl ich noch nicht wusste, um was es wirklich ging. So zum Beispiel beim Buch „Das Schiff des Theseus“. Jeder der das Buch kennt und liebt wird wissen was ich meine. Ich glaube ich habe damals rund 50 Euro für das Buch ausgegeben und ich wusste noch nicht einmal ob es mir überhaupt gefallen würde. Aber die komplette Aufmachung und das Konzept hatten mich direkt überzeugt. Dass der Inhalt dann auch noch überzeugend war, hat den Preis dann Gott sei Dank wieder etwas relativiert. Aber ich schweife ab, denn schließlich soll es in diesem Beitrag um das analoge Konzeptbuch gehen.

Konzeptausarbeitung

Also zurück zum Anfang. Macht ein Konzeptbuch in der heutigen digitalen Welt noch Sinn oder nicht. Meine Antwort darauf lautet, es macht Sinn, wenn man es richtig zu nutzen weiß. Viele mit denen ich darüber gesprochen habe, vertreten die Meinung, dass ein Konzeptbuch nur ein richtiges Konzeptbuch ist, wenn es lediglich aus Skizzen besteht. Und dabei sei es völlig egal ob es digital oder analog wäre. Leider gehöre ich aber nicht zu den Menschen, die extrem gut zeichnen können. Ich brauche für so etwas immer sehr viel Zeit und Ruhe und zwar für beide Varianten – digital und analog. Ich persönlich finde, dass in einem Konzeptbuch alles reinpasst, was für eine Bildidee wichtig ist. Gerade das analoge Exemplar kann man überall mit hinnehmen und es nimmt nicht viele Platz ein. Okay, das Smartphone auch nicht, was viele Menschen als eine Art Konzeptbuch nutzen, aber ich glaube da bin ich noch etwas Oldschool. Dennoch gibt es aus meiner Sicht einen enormen und großen Vorteil des analogen Konzeptbuches gegenüber dem digitalen. Man kann auch einmal Bilder oder sonstige Sachen, die einen inspirieren ins Buch kleben und so zum Beispiel ein Moodboard erstellen. So habe ich zum Beispiel Stoffmuster, Scribbles, Notizen und allgemeine Ideen dort verewigt. Oder Beispielbilder, bei denen ich die nachträgliche digitale Bildbearbeitung toll finde und ausprobieren will. Ich habe es eigentlich ständig bei mir und sobald ich irgendeine neue Idee habe, werden zumindest die ersten Stichpunkte notiert, damit ich es dann später in Ruhe ausformulieren oder skizzieren kann. Aber es wird im Vorfeld nichts vergessen und man kann sich später viel leichter daran erinnern.

Ein digitales Konzeptbuch hat aber aus meiner Sicht noch einen weiteren entscheidenden Nachteil. Man wird zu schnell von allem möglichen abgelenkt. Eine blinkende Nachricht die aufpoppt, weil eine neue E-Mail rein gekommen ist oder eine WhatApp Nachricht darauf wartet beantwortet zu werden und ach ja, ich wollte auf YouTube ja noch eben den neuen Kinotrailer anschauen. Kommt euch das bekannt vor? Ein analoges Konzeptbuch entschleunigt ungemein, da ich mir die Zeit nehme, um damit zu arbeiten. Es hat einen komplett anderen Stellenwert  und ist eine Art Qualitytime, die ich nur meiner Arbeit widme und nicht den 1000 anderen Dingen um mich herum. Und es ist für mich wie eine Art digitale Detox Kur, die ab und an einfach mal sein muss.

Aber um noch einmal auf die Aussage vom Anfang zurück zu kommen, dass ein Konzeptbuch nur mit Skizzen etwas taugt. Natürlich ist es toll, wenn man ein ganzes Buch oder digitalen Ordner voll mit unglaublichen Skizzen hat, aber für mich alleine würde das nicht reichen, denn wie ihr ja bereits wisst, bin ich auch eine Schreiberin und liebe somit auch das geschriebene Wort.

Ich finde ja, dass ein Konzeptbuch eine gesunde Mischung aus Wort und Bild sein sollte.

Denn so kann man letztendlich das volle Potenzial ausnutzen. Wenn ich ab und an mein Konzeptbuch durchblättere, bekomme ich direkt neuen Input und habe neue Ideen. Ich picke mir einzelne Elemente, die ich vielleicht noch nicht umgesetzt habe, heraus und erschaffe daraus etwas völlig neues. Es ist sozusagen ein nie enden wollender Prozess und das ist es was ich gerade daran so liebe. Jeder von uns hat einmal Phasen, in denen er sich unkreativ fühlt oder er an seiner Arbeit zweifelt. Da bin ich leider keine Ausnahme, auch wenn ich das gerne wäre. Vor vier Jahren hatte ich eine Art kreativen Burnout und hatte überhaupt keine Freude mehr an dem was ich getan habe. Ich wollte alles aufgeben und etwas neues Anfangen. Doch da fiel mir beim Ausmisten ein altes Konzeptbuch in die Hände. Hin und hergerissen, ob ich es behalten oder wegschmeißen sollte. Schließlich erinnerte es mich an einen Teil meines Schaffens, der irgendwie nicht mehr zu mir passen wollte. Ich blätterte gedankenverloren darin herum und merkte bereits nach kurzer Zeit, dass es mich doch wieder fesselte. Ich brachte es schließlich nicht übers Herz, dieses Buch wegzuwerfen. Es erinnerte mich letztendlich daran, was mir an meiner Arbeit wirklich Spaß gemacht hat. Es hat mir auch dabei geholfen etwas zu ändern und den Spaß an der Arbeit zurück zu bekommen. Allein deswegen ist es für mich unersetzlich geworden.

Ihr seht, ein Konzeptbuch kann vieles sein. Ideengeber, Inspiration, aber auch ein Rückblick auf das, was man liebt und was man einfach machen will. Für mich ist es ebenfalls ein Ausdruck meiner Kreativität und meiner Reise, die ich bereits hinter mir habe. Es hält all die Erfahrungen und Entwicklungen fest, die ich in den letzten Jahren gemacht habe und geben mir immer eine Art Richtung vor. Ich kann daraus schöpfen und mich zurückbesinnen, sollte ich mal mein Ziel aus den Augen verloren haben. Ohne mein Konzeptbuch würde etwas fehlen und sollte ich es mal aus was für einen Grund auch immer nicht dabei haben, so gibt es immer noch bunte Post-Its, die am Ende auch ihren Weg ins Konzeptbuch finden und es ebenfalls ein Stück weit bunter machen. Genauso wie ich mit MagicTales die Welt ein Stück weit bunter gestalten möchte. Wenn das mal keine passende parallele zum Ende dieses Beitrages ist. In diesem Sinne wünsche ich euch in Zukunft oder auch weiterhin viel Spaß mit euren Konzeptbüchern und bis zum nächsten mal.