MagicTales

Memento Mori

Gedenke dem Tod

Viel zu oft in ihrem Leben hatte sie schon Verluste ertragen müssen. Viel zu oft musste sie Menschen gehen lassen, die ihr etwas bedeuteten. Was nütze ihr die Unsterblichkeit, wenn sie über kurz oder lang doch immer alleine zurückblieb. Über die Jahre hätte man meinen müssen, dass sie sich daran gewöhnt hatte, aber der kalte Schmerz des Verlustes traf sie immer wieder mit voller Wucht und ließen sie verzweifeln.

Sie hatte ganze Kulturen aufsteigen und fallen sehen und immer gehofft, dass sie irgendwann den einen finden würde, der sie von ihrer Einsamkeit für immer befreien würde. Aber so viele Jahrhunderte waren vergangen und in all der Zeit hatte sich kaum etwas verändert. Menschen kamen und gingen und einige von ihnen wurden zumindest für kurze Zeit, zu treuen Wegbegleitern. Und in ihren letzten Stunden auf Erden war sie immer bei ihnen geblieben und hatte ihnen den Abschied leichter gemacht auch wenn das für sie bedeutete, hinterher den Schmerz ertragen zu müssen.

Wie auch diesmal. Die Begegnung vor so vielen Jahren hatte ihr Leben unglaublich bereichert und sie hatte den Moment völlig verdrängt, dass auch er sie wieder alleine lassen würde. Und nun saß sie alleine, verlassen und mit gebrochenen Herzen genau an dem Ort, wo sie sich einst trafen und verliebten. Und genau in diesem Moment wünschte sie sich nichts sehnlichster als loszulassen und zu gehen. An den Ort, wo er auf sie warten würde. Doch sie war verdammt dazu zu bleiben und den Tod in stillem Gedenken mit sich zu tragen.

Die Entstehung

Memento Mori oder auch „Gedenke dem Tod“ war und ist ein Werk, welches mir persönlich sehr wichtig ist. Die Idee, ein Wesen zu zeigen, dass weiß was es bedeutet Verluste zu erleiden ließ mich nun schon seit geraumer Zeit nicht mehr los. In meiner Geschichte geht es um den Verlust von geliebten Menschen, den sicherlich jeder von uns kennt und fürchtet. Oft denkt man, dass man noch so viel Zeit hat um Dinge zu tun, wichtigen Menschen im Leben die Aufmerksamkeit zu schenken, die sie verdienen oder einfach seine Träume in die Tat umzusetzen. Aber in Wahrheit ist es doch so, dass keiner von uns weiß, was die Zukunft wirklich bringen mag. Aktuell leben wir alle in einer sehr unsicheren Zeit, von der keiner mit Bestimmtheit sagen kann, was die Zukunft bringt und wie sich die Geschehnisse entwickeln werden. Nicht nur in den Nachrichten wird man mit dem Tod konfrontiert, sondern auch in den Medien aller Art. Grund genug also, sich einmal mit dem Thema, so schwer und morbide es manch einer finden mag, auseinanderzusetzen.

Die finale Idee kam mir dann, als ich in einem Bildband das Bild eines Liebespaares gesehen hatte, welches kurz nach der Aufnahme getrennt wurde. Die Idee war geboren. Wie fühlt sich ein Wesen, welches die Liebe erfahren hatte und immer wieder aufs Neue den Schmerz des Verlustes erleiden muss?

Und doch sollte das Bild auch Hoffnung zeigen, dass jeder Verlust auch ein Anfang von etwas Neuem sein kann. Am Ende einer jeden Nacht folgt ein neuer Tag und mit ihm kehrt das Licht in die Welt zurück und lässt alles weniger schlimm erscheinen. Man lernt den Verlust zu akzeptieren und daraus Kraft für neues zu schöpfen.

Gestatten, das ist Karl

Vielleicht mag sich der ein oder andere nun fragen, wer ist denn jetzt bitte Karl? Ganz einfach, Karl ist mein Totenkopf, den man ebenfalls im Bild erkennen kann. Er diente als Vanitas Symbol und symbolisiert den Tod und die Vergänglichkeit. Und nein, Karl wurde nicht nachträglich ins Bild montiert, sondern schon direkt beim Shooting mit aufgenommen. Wozu doch eine Halloween Deko alles gut sein kann. Als ich Karl (zu diesem Zeitpunkt war er aber noch ein namenloses Ding im Schaufenster) damals beim TEDI entdeckt hatte, musste ich sofort an meine Idee denken und war wild entschlossen am nächsten Tag Karl zu kaufen. Jedoch folgte im ersten Moment die Ernüchterung. Als ich so vor Karl stand, war er eher gruselig als nützlich. Ich ließ Karl stehen und verließ den Laden. Aber die Idee ließ mich nicht los und ich überwand mich und kaufte ihn mir doch. Zuhause angekommen, stellte ich ihn auf den Tisch und schaute ihm „tief“ in die Augen und sagte hallo Karl. Und siehe da, dass Kind hatte einen Namen und war mit einem Mal gar nicht mehr so gruselig wie zuvor. Und so schaffte es Karl dann doch mit aufs Bild.

Das Kostüm

Wer mir auf Instagram folgt oder auch den ein oder anderen Blogbeitrag verfolgt hat, der hat schon eine Menge zu meiner Kostümkreation „Fairytale“ erfahren, die hier zum ersten Mal zum Einsatz kam. Deswegen werde ich an dieser Stelle auch gar nicht mehr so viel darüber erzählen.

Das Shooting & Post Production

Nachdem Karl seine Nerven beruhigt hatte (ihm klapperten ganz schön die Zähne), schließlich war es das erste große Shooting für ihn, ging alles recht schnell. Kamera aufs Stativ gepackt, Fernauslösung übers Handy, Pose einnehmen und fertig. Was folgte war die erste grobe Bildauswahl. Was sich allerdings als zeitintensiver entpuppte, war die Bildersuche nach einem geeigneten Hintergrund. Meine Szene sollte schließlich eine Art Wald oder Lichtung sein. Doch ich wurde in meinem großen Fundus an Bildern dann doch noch fündig und konnte mit der Bearbeitung starten. Nach einigen Stunden war ich dann mit dem Ergebnis im Großen und Ganzen zufrieden und ich konnte mich an den finalen Bildlook begeben, den ich aus einer Kombination aus Photoshop, Lightroom und Luminar erzielt habe.

Ich bin mega zufrieden mit dem Ergebnis und kann es kaum erwarten, eure Reaktion darauf zu sehen. Das Bild bedeutet mir viel, da es nicht nur von der Planung her sehr zeitaufwendig war, sondern auch vom Thema her ein sehr wichtiges für mich und meine Entwicklung war. Während des gesamten Entstehungsprozesses habe ich eine Menge gelernt und auch viel Neues ausprobiert. Ich hatte einige Hürden zu überwinden und bin an den Herausforderungen gewachsen. Und ich freu mich jetzt schon auf das nächste Projekt, welches mich so fordern wird und mich über mich hinauswachsen lässt.